Kurzantwort: Bleirohre kommen in Dresdner Altbauten vor 1973 vor. Erkennen: weiches, graues, mattes Metall mit Kratzer-Test. Gesundheitsrisiko durch Blei im Trinkwasser ist real - Austausch ist Pflicht laut Trinkwasserverordnung. Nicht selbst wechseln.
Warum Bleirohre ein Problem sind
Blei ist ein Schwermetall, das aus alten Rohren ins Trinkwasser übergehen kann - vor allem bei weichem Wasser und langer Standzeit in der Leitung. Bereits kleine Mengen Blei sind gesundheitsschädlich, besonders für Kinder und Schwangere. Neurologische Schäden und Entwicklungsstörungen sind belegt.
Die EU-Trinkwasserrichtlinie und die deutsche Trinkwasserverordnung schreiben einen Grenzwert von 5 Mikrogramm pro Liter vor (seit 2023). Viele alte Dresdner Hausinstallationen aus der Zeit vor 1950 unterschreiten diesen Wert nicht ohne Sanierung.
Wo kommen Bleirohre vor?
In Deutschland wurden Bleirohre in der Trinkwasserinstallation bis etwa 1973 verbaut, in manchen Regionen auch noch etwas länger. Betroffen sind vor allem:
- Gründerzeithäuser (Baujahr 1880 bis 1918)
- Vorkriegsgebäude (bis 1945)
- Teilweise auch Nachkriegsbauten bis in die 1970er Jahre
In der Dresdner Innenstadt, der Neustadt und Vierteln wie Blasewitz oder Striesen sind solche Gebäude häufig. Der öffentliche Hauptkanal ist in Dresden bereits seit Jahren bleifrei - die Gefahr sitzt in der Hausinstallation.
Wie erkenne ich Bleirohre?
Sichtprüfung
- Blei ist grau-matt und deutlich weicher als Kupfer oder Stahl
- Mit einem spitzen Gegenstand (Schraubendreher) kratzen: Blei lässt sich leicht ritzen und zeigt eine silbrig-glänzende Schnittstelle
- Bleirohre fühlen sich weicher an als Kupferrohre - sie können sich leicht verbiegen
- Sie sind oft mit einem leichten Bogen verlegt (durch ihr Eigengewicht)
Wassertest
Im Zweifelsfall können Sie eine Wasserprobe einschicken. Akkreditierte Labors (z. B. das Dresdner Umweltlabor) analysieren den Bleigehalt für etwa 30 bis 60 Euro. Lassen Sie das Wasser vor der Probenahme mindestens vier Stunden stehen - Stagnationsprobe ergibt den schlechtesten Wert.
Was müssen Eigentümer tun?
Eigentümer sind nach der Trinkwasserverordnung verpflichtet, den Bleigehalt zu überprüfen und - wenn der Grenzwert überschritten ist - die Leitungen zu sanieren. Das Gesundheitsamt Dresden kann bei Verstößen tätig werden.
- Wasserprobe entnehmen lassen (Fachbetrieb oder selbst mit Testset)
- Wenn Grenzwert überschritten: Mieter sofort informieren und Sanierung beauftragen
- Einstweilen: Kaltwasser morgens kurz laufen lassen, bevor Sie es trinken oder kochen
Sanierung: Austausch oder Inliner?
Der vollständige Rohraustausch durch Kupfer, Edelstahl oder geeignetes Kunststoffrohr ist die sicherste Lösung. In schwer zugänglichen Bereichen ist auch die grabenlose Sanierung mit einem lebensmittelechten Epoxid-Inliner möglich - hier unbedingt auf DVGW-Zulassung für Trinkwasserleitungen achten.
Kosten je nach Gebäude und Umfang: 3.000 bis über 20.000 Euro. Förderung durch KfW oder die Stadt Dresden kann beantragt werden - fragen Sie Ihren Sanierungsbetrieb.